Diana Cernolev
October 2025 Chisinau, Moldova
German:
...OtGO
ist tief in den Traditionen seiner Heimat verwurzelt, dem Ort, von dem
aus seine künstlerische Reise – sowohl spirituell als auch physisch –
ihren Anfang nimmt. Das Triptychon „Der Wurm der Wüste Gobi“ (Олгой хорхой),
das in der aktuellen Ausstellung zu sehen ist, ist von der mongolischen
Kultur, insbesondere der lokalen Folklore, inspiriert. Diese beschreibt
ihn als riesigen Wurm, der Menschen und Tieren den Tod bringt. Der
Legende nach lebt er fernab der Menschen in der Wüste und stellt nur
dann eine Bedrohung dar, wenn sein Territorium betreten wird. In den
mythologischen Erzählungen gilt der Gobi-Wurm als Schutzgeist der
Wüste, dessen Aufgabe es ist, die Menschen stets daran zu erinnern,
dass die Natur nicht ausschließlich ihnen gehört. Er verkörpert eine
höchste Macht, die Respekt verdient, und die Menschen sind verpflichtet
zu lernen, in Harmonie und Frieden mit allen ihren Geschöpfen zu leben.
Um dem Zorn des Riesenwurms zu entgehen, führten mongolische Schamanen
spezielle Rituale durch. Sie brachten Speisen, Wasser oder Silbermünzen
an den Orten dar, die als seine Behausung galten, und rezitierten
schamanische Gesänge, um seinen Geist zu besänftigen und auf ihren
Wüstenreisen Schutz zu erbitten.
In seinem Werk gelingt es dem Künstler, den rastlosen Charakter des
Wüstenlebens durch Linienführung und die Thangka-Technik einzufangen.
Jede Linie, aus der der Körper des Wurms schließlich geformt wird, hat
ihren eigenen Charakter, ist unabhängig und unwiederholbar – Merkmale,
die übrigens das gesamte Werk von Otgonbayar Ershuu kennzeichnen...
Diana
Cernolev
Oktober 2025 – Nationales Kunstmuseum Moldawiens, Kischinau, Moldawien